Web Videokonferenz freigestellte BetriebsraeteDamit die Mitglieder der IG Metall im Kreis Olpe auch während der Corona-Krise stets gut informiert sind und für Fragen und Sorgen einen direkten Ansprechpartner haben, greifen die Mitarbeiter um 1. Bevollmächtigten André Arenz auf eine bereits erprobte Möglichkeit zurück, die sie jedoch der Situation entsprechend modifiziert haben: Während jeder größeren Veranstaltung kommt ein elektronisches Beteiligungssystem zum Einsatz, in dem die Teilnehmer über ein internes Netzwerk Fragen beantworten und stellen können. Und was über ein internes Netz funktioniert, ist auch über das Internet möglich, weshalb André Arenz alle interessierten Betriebsratsmitglieder zu regelmäßigen Videokonferenzen einlädt, die sich großer Beliebtheit erfreuen und sehr schnell etabliert haben. Meisten schalten sich weit über 80 Betriebsratsmitglieder zu, wenn André Arenz wichtige Informationen rund um das Kurzarbeitsgeld, den Infektionsschutz in Unternehmen, die Ministerialerklärung von Hubertus Heil oder die aktuell sinnvollen Schulungen und Weiterbildungen präsentiert. In den offenen Fragerunden stehen Ankündigungsfristen für die Kurzarbeit, die Auswirkungen einer vom Arbeitgeber verordneten Quarantäne und der Umgang mit Resturlaub und Überstunden im Zentrum. In den kommenden Wochen wird die Videokonferenz das Mittel der Wahl der IG Metaller im Kreis Olpe bleiben, regelmäßig wird sie dienstags um 8.30 Uhr für die Betriebsratsmitglieder stattfinden.

web video1Die freigestellten Betriebsräte kamen am Mittwoch (1. April) zum ersten Mal zusammen. Anders als bei der Versammlung mit über 80 Teilnehmern, bei der André Arenz als Referent fungiert und die Teilnehmer über das System schriftliche Fragen stellen können, wurde der Videokonferenz-Dienst „Zoom“ genutzt, der sich für kleinere Gruppen eignet, weil alle Teilnehmer sich mit Bild und Ton einbringen können. Auch hier nahm das KuG einen wichtigen Platz ein. André Arenz erläuterte zum einen die wesentliche Veränderung bei der Regelung zum Hinzuverdienst bei geleichzeitigem Bezug von Kurzarbeitergeld (KuG), die das Corona-Sozialschutz-Paket mit sich bringt. In der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober 2020 wird das Entgelt aus einer anderen Beschäftigung generell nicht hinzugerechnet, sofern diese in einer systemrelevanten Branche oder einem systemrelevanten Beruf aufgenommen wird und der Hinzuverdienst gemeinsam mit dem KuG das ursprüngliche „Soll-Entgelt“ des Arbeitnehmers nicht übersteigt.

Für IG-Metall-Mitglieder wurde zudem ein umfangreicher KuG-Rechner entwickelt, der mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten wie Leistungs- oder Erschwerniszulage oder Schicht- bzw. Wochenendzuschlag, Anteil der Kurzarbeit in Prozent oder Stunden, Erhöhtes Monatsentgelt durch ratierliche Umlage von Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder Aufstockung der Netto-Entgeltdifferenz in Prozent sämtliche Szenarien abdeckt, um sich das KuG sowie das Netto-Einkommen und so auch den genauen Entgeltverlust auszurechnen. Einige Teilnehmer nannten Beispiele, wie in ihren Unternehmen mit dem KuG umgegangen wird. So gibt es Aufstockungen oder Härtefonds für Mitarbeiter, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Während der Berichte aus den Betrieben zeigte sich deutlich, wie unterschiedlich stark das KuG bisher genutzt wird und welche große Rolle die Auslastung des Betriebes dabei spielt. Andere große Themen sind gerade die Sicherheitsmaßnahmen, wobei auch die freiwillige Fiebermessung zur Sprache kam. André Arenz zeigte sich ebenso skeptisch wie die Betriebsratsmitglieder. Er verwies auf den Gesetzgeber, der sich etwa gegen eine Messung an Flughäfen ausgesprochen hatte, weil Fieber allein kein Zeichen für eine Corona-Infizierung ist. Und sei Covid-19 doch der Grund, kam als Argument aus dem Plenum, sei es dann ohnehin schon zu spät. Ein Beispiel aus einem Betrieb war, dass jeder Mitarbeiter mit Krankheitsanzeichen, und sei es nur ein Schnupfen, rigoros nach Hause geschickt wird. Das gleiche gelte für alle direkten Kollegen. Zudem finden keine Sitzungen mehr mit über fünf Teilnehmern statt, die Büros werden bezüglich der Arbeitsplätze halbiert und Mundschütze verteilt.

Auf Rückfrage berichtete André Arenz, dass es mit dem Bezirk derzeit Gespräche darüber gebe, ob mit Verlängerungen von Befristungen ähnlich wie in der Krise 2009/2010 umgegangen werden solle. Damals war es einigen Betrieben über das Teilzeit- und Befristungsgesetz per Tarifvertrag ermöglicht worden, Arbeitsverträge auch über 24 Monate hinaus befristet zu verlängern. Seiner Meinung nach dürfe dies nicht pauschal, sondern nur über eine Namensliste erfolgen, es müsse auf die Krise zurückzuführen sein und dürfe nur für Mitgliedsbetriebe gelten.

Alle stimmten dafür, ab sofort wöchentlich zu einer „Zoom“-Konferenz zusammenzukommen, diese findet mittwochs um 10.30 Uhr statt.