image006Nachdem bereits rund zwei Drittel der Delegierten für die Delegiertenversammlung der IG Metall Olpe für die kommenden vier Jahre gewählt worden waren, war der Wahlkreis Lennestadt/Kirchhundem nun der letzte, in dem die Mitglieder zur Wahl zusammengekommen sind. In zwei aufeinanderfolgenden Wahlgängen wurden dabei die 14 ordentlichen Delegierten und ihre Stellvertreter gewählt. Die Kandidatenliste war im Vorfeld erstellt worden, dabei wurde zum einen auf die Größe der Betriebe geachtet, zum anderen darauf, dass die Frauenquote von 20 Prozent eingehalten wird und die Jugend wie auch Rentner sich in der Versammlung wiederfinden. Die aktiven IG-Metall-Mitglieder entschieden sich nahezu einstimmig für folgende Vertreter:

 

Ordentliche Delegierte

Stellvertretende Delegierte

Dirk Baues

Patrick Blum

Michelangelo Bruno

Zülfikar Caliskan

Ingo Hamers

Thomas Forth

Matthias Hardenbicker

Manuela Groß

Ayhan Kalembasi

Bernd Kleier

Anne Knour

Meinolf Kuhlmann

Gerhard Matzke

Guido Mester

Sarah Picker-Graetz

Marc Metz

Alex Pieper

Lars Peuß

Werner Rameil

Andreas Riekes

Gisela Richter

Sven Rosenberger

Maria Sellmann

Armin Schuh

Joachim Stange

Mandy Schulte

Alina Weber

Michael Voss

Im Anschluss an die Wahl hatte André Arenz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Olpe, die Teilnehmer des Treffens im Hotel Schweinsberg in Lennestadt-Langenei über einige Neuerungen informiert (siehe Bericht über die Wahlversammlung in Olpe). Er konnte im Anschluss Stefan Hundt, Bürgermeister der Stadt Lennestadt, begrüßen, der in seinem Kurzvortrag über die aktuelle Lage der Kommune auch immer wieder einen Blick in die Nachbarschaft nach Kirchhundem warf.

Stefan Hundt wies zunächst mit Blick auf einige Zahlen auf den sehr positiven Status quo hin: Eine Arbeitslosenquote von unter 4 Prozent, 10 000 Arbeitnehmer in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, eine Kaufkraftbindung von über 100 Prozent, stabile Gewerbesteuereinnahmen von 22 Millionen Euro und mehr als gute Reflexionen aus den heimischen Betrieben sowie ein Haushalt, der mit Stand Februar 1,5 Millionen Euro unter dem Ansatz liegt. Der Tourismus sei eine weitere konstante Größe – über 170 000 Übernachtungen würden pro Jahr in Lennestadt gebucht. „Wir sind die Nummer 10 im Sauerland. Das zeigt, wie sehr es sich lohnt, hier hinzufahren und zu entspannen.“

Auch der viel zitierte demografische Wandel habe sich in Lennestadt und Kirchhundem stabilisiert: „Wir haben eine gesunde Basis für Klassenbildungen in unseren Grundschulen, was vor fünf Jahren noch ganz anders ausgesehen hat“, so Stefan Hundt. Die Geburtenrate in der heimischen Region zeige eine leichte Tendenz nach oben, was allgemein ein gutes Zeichen sei. „Wenn Kinder kommen, fühlen sich die Eltern wohl.“ Er sei sehr froh, dass man sich sehr darum bemüht habe, auch in kleinen Orten wie Bilstein, Oedingen oder Maumke die Schulen zu erhalten. „Das ist ganz wichtig für junge Familie: kurze Beine brauchen kurze Wege.“ Apropos junge Familien, die auch in Bezug auf Fachkräftemangel so wichtig sind: Stefan Hundt wies auf eine beginnende Stadtflucht hin, was sich daran zeige, dass die Randzonen der Großstädte immer interessanter für Familien würden und es auch in Bilstein, Kirchveischede oder Altenhundem einen immer größeren Bedarf an Immobilien gebe. „Familien haben offensichtlich begriffen, dass man mit Kindern auf dem Land besser aufgehoben ist“, so das Resümee des Bürgermeisters.image005

Nun müssten diese jungen Leute aber eben auch Wohnraum finden und bauen können. Gleichzeitig verzeichne man in den Siedlungen der 70er- und 80-er-Jahre aber auch einen immer größer werdenden Leerstand. Die Reduzierung von Wohnbauflächen sei daher wichtig, um nicht einerseits neue Baugebiete, anderseits aber Leerstand in den bestehenden Siedlungen zu bekommen. Eine noch größere Aufgabe werde es sein, die weichen Standortfaktoren wie Freizeit und Kulturmöglichkeiten oder auch die Grundversorgung mit Bäcker, Metzger oder anderem Einzelhandel zu erhalten. „Die Kaufkraftbindung kommt vor allem von den großen Discountern mit ihren Angeboten. Der Einzelhandel ist auch in Lennestadt von Leerstand geprägt.“ Von der Hoffnung, dass sich diese Situation noch einmal ändern werde, müsse man sich sicherlich verabschieden, dafür sorge schon der Onlinehandel. „Die Erdgeschosse gehören in Zukunft dem Wohnraum, weil der Handel keine Verwendung mehr für sie hat.“

Die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen sei hingegen sehr zufriedenstellend. Viele Familienbetriebe, mit denen man direkte und persönliche Absprachen treffen könne, die sich mit der Bevölkerung vor Ort und ihren Mitarbeitern identifizieren, seien eine gute Grundlage. Hinzu komme, dass die Kommune in den vergangenen 15 Jahren eine gute, vernünftige und solide Gewerbeflächenpolitik betrieben hätte. „Wir haben mit den Betrieben über ihren Entwicklungsbedarf gesprochen und zugesehen, dass die Unternehmen sich an ihrem Standort entwickeln können und nicht irgendwo neu bauen müssen.“ Mit dieser Vorgehensweise seien alle gut klargekommen, die meisten hätten nach wie vor Freiflächen und würden weitere Investitionen planen, könnten ihren Produktionsbedarf zunächst aber auch in bestehenden Gebäuden unterbringen. Es gebe kleinere, neu ausgewiesene Flächen wie etwa in Oedingen an der Kaserne oder einen kleinen Bereich bei Germaniahütte, wo eine Erweiterung denkbar wäre. „Große Flächen in der freien Landschaft anzupacken ist im Moment nicht nötig.“   

Ein Thema, das die Zuhörer näher interessierte, war die Ärzteversorgung bzw. der -mangel. Hier finde bereits ein Konkurrenzspiel zwischen den Gemeinden statt, wie Stefan Hundt einräumte. Feststehe sicherlich, dass es so viele Ärzte wie heute in Zukunft nicht geben werde. „Es wird ein anderes Gesundheitssystem geben, in dem DigiDoc oder die digitale Praxis eine große Rolle spielen werden.“ Die Stadtverwaltung stehe in regelmäßigem Kontakt mit den Hausärzten, auch in Kirchhundem, und beteilige sich an einem Projekt des Forschungskollegs der Uni Siegen, das ein zukunftsfähiges Ärztenetzwerk zum Ziel habe. Das Thema müsse definitiv Chefsache sein und potenzielle Interessenten für Praxen müssten die bestmögliche Unterstützung, etwa bei der Suche nach einem Haus oder Bauplatz für die Praxis erhalten.

Absolut sicher sei er, dass das Krankenhaus einen zukunftsfähigen Standort mit gutem Zukunftsangebot habe. Mit einem Einzugsgebiet von 60 000 Einwohnern sei das Haus auch ein Garant dafür, Fachärzte zu halten, da diese dort etwa Belegbetten nutzen könnten. Zudem werde sich das Krankenhaus immer mehr in ein medizinisches Versorgungszentrum wandeln. „Ärzte wollen heute keine 60-Stunden-Woche mehr“, betonte Hundt. Es sei daher auch Aufgaben der Kommunen, konkrete Konzepte zu erarbeiten. Ein handfestes werde in den nächsten Monaten vorgestellt.

Zum Breitbandausbau in der Region wies André Arenz zunächst darauf hin, dass dieser auch eine kommunale Aufgabe und ungemein wichtig sei – nicht nur für die Standorte der Unternehmen in den Industriegebieten, sondern auch mit Blick auf Homeoffice-Arbeitsplätze. Stefan Hundts Antwort darauf war eindeutig: „Wir wollen kein Haus unangeschlossen stehenlassen, sondern einen lückenlosen Ausbau, ob Siedlungsfläche oder einzelnes Gehöft.“ In spätestens zwei Jahren solle der Breitbandausbau abgeschlossen sein.

Auf die Rückfrage hin, warum immer nur die größeren Orte wie Altenhundem oder Saalhausen von Fördergeldern profitieren würden, wies Hundt darauf hin, dass es drei Schwerpunkte in der Kommune gebe: Saalhausen, als Kurort der Tourismusschwerpunkt, Altenhundem als Handelsbereich und Grevenbrück, dem produzierenden, aber auch gleichzeitig kulturellen Schwerpunkt, in den in den vergangenen Jahren die meisten Gelder geflossen wären. Man sei stets darum bemüht, die Investitionen nach dem Bedarf auszurichten, was auch Bürgergespräche in allen Dörfern beinhalte, um auch in den ganz kleinen Orten Projekte umzusetzen.

Weiteres Geld werde auch in den Radwegausbau fließen. So sollen der gefährliche Abschnitt von Störmecke bis nach Lenne in Angriff genommen und auch die Strecke in Meggen von Altenhundem nach Grevenbrück, wo der Fahrradweg ein steiles Stück zum Schlösschen hochführt, solle durch das Industriegebiet umgeleitet werden. „Vieles hängt bei solchen Vorhaben nicht am fehlenden Geld, sondern an anderen Themen wie dem Naturschutz. Solche Prozesse können Jahre dauern.“

Bezüglich des Öffentlichen Personennahverkehrs wies Hundt darauf hin, dass es sich hierbei um ein jahrzehntelanges, nahezu elendes Thema handele. Die Kommune habe kaum Handhabe, auf die Entscheidungen der ÖPNV-Anbieter Einfluss zu nehmen. Auch er halte etwa den Einsatz von kleineren, dafür mehr Bussen für sinnvoll, weshalb die Stadt auch sofort die Möglichkeit genutzt habe, beim Pilotprojekt „SAM – Südwestfalen Autonom & Mobil“ mitzumachen. Darüber hinaus sei das Interesse, mit der Bahn zu fahren, von Jahr zu Jahr gestiegen, was die Wichtigkeit der ICE-Anbindung von Lennestadt noch einmal verdeutliche. Nicht zu unterschätzen sei wohl auch die Entwicklung der E-Bikes, für die sichere Abstellmöglichkeiten gebraucht würden. Bezüglich schlechter Busanbindungen in den ländlichen Gebieten und Industriegebieten wünsche er sich eine lautere Stimme der Bevölkerung. Wenn vor allem auch die jüngere Generation mehr Nachfrage signalisieren und konsequenter mit dem Thema umgehen würde, könne dies vielleicht zu Veränderungen führen.

Auf die Rückfrage hin, wie es mit der Stärkung und Würdigung des Ehrenamts in Lennestadt bestellt sei, betonte Stefan Hundt, dass es ohne das viele ehrenamtliche Engagement im ländlichen Raum nicht so eine gute Lebensqualität gebe. Schützenhallen, Sportplätze, Kirchen oder auch Friedhöfe – alles wäre ohne Ehrenamt nicht machbar. Es müsse daran gearbeitet werden, dass dies so bleibe, denn selbstverständlich sei diese Situation sicherlich nicht. Die Unterstützungen mit Förderprogrammen, aber auch Ehrungen und Auszeichnungen seien sehr wichtig und so in Deutschland nicht oft zu finden. André Arenz griff an dieser Stelle nochmal die Idee auf, die ehrenamtlichen Vorstände mit einer hauptamtlichen Vereinsgeschäftsstelle zu unterstützen, um bei Themen wie Datenschutz oder Sicherheitskonzept verlässliche Ansprechpartner zu bieten.

Unisono beantworteten Hundt und Arenz die Frage aus dem Publikum, wie man sich noch klarer gegen Rechts abgrenzen könne: „Zivilcourage und Mut sind hier gefragt. Wir müssen den Menschen widersprechen, die entsprechende Aussagen ohne jegliche Grundlage tätigen. Wir haben eine der standfestesten Demokratien der Welt, zu der wir stehen müssen.“

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