Wahl der Delegierten für den Wahlkreis Attendorn/Finnentrop

DSC 9652 minDer Wahlkreis Attendorn/Finnentrop war der zweite, in dem die Mitglieder der Delegiertenversammlung der IG Metall Olpe für die kommenden vier Jahre gewählt worden sind. In zwei aufeinanderfolgenden Wahlgängen wurden dabei die 18 ordentlichen Delegierten und ihre Stellvertreter gewählt. Die Kandidatenliste war im Vorfeld erstellt worden, dabei wurde zum einen auf die Größe der Betriebe geachtet, zum anderen darauf, dass die Frauenquote von 20 Prozent eingehalten wird und die Jugend wie auch Rentner sich in der Versammlung wiederfinden. Die aktiven IG-Metall-Mitglieder entschieden sich einstimmig für folgende Vertreter:

Ordentliche Delegierte

Stellvertretende Delegierte

1.    Horst Dietrich

2.    Jörg Böhmer

3.    Volker Funke

4.    Thorsten Wottrich

5.    Björn Drexelius

6.    Ute Horn

7.    Bernhard Schröder

8.    Yvonne Friederici

9.    Raffael Richard

10.  Alexander Klement

11.  Hubertus Rath

12.  Yvonne Pick

13.  Franz Epe

14.  Ramazan Olmaz

15.  Annette Stahlhacke

16.  Winfried Bödefeld

17.  Guido Busenius

18.  Martina Ziemen

1.    Jens Arndt

2.    Benjamin Schneider

3.    Abdullah Olmaz

4.    Jan Eric Anders

5.    Peter Zimmer

6.    Thomas Brieden

7.    Jürgen Lippemeier

8.    Ralf Grunwald

9.    Stefan Selbach

10.  Rickert

11.  Theo Springob

12.  Lukas Marburgrer

13.  Baris Sengül

14.  Michael Behrens

15.  Angelika Fox

16.  Frank Schulte

17.  Kordula Stinn

18.  Anette Siebert

 

Im Anschluss an die Wahl hatte André Arenz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Olpe, die Teilnehmer des Treffens im Himmelreich in Attendorn über einige Neuerungen informiert (siehe Bericht über die Wahlversammlung in Olpe). Auch in Attendorn konnte er mit Christian Pospischil und Dietmar Heß die Bürgermeister der beiden Kommunen begrüßen. Die wirtschaftliche Lage nahm einen großen Platz in den anschließenden Vorträgen der Bürgermeister und den Rückfragen ein. Christian Pospischil (Attendorn) startete positiv: „Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Jahrzehnt zurück.“ Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sei auf 14 0000 angestiegen – bei einer Stadt mit 25 000 Einwohner eine enorme Zahl, die sich auch bei den Gewerbesteuereinnahmen bemerkbar mache. Hier verzeichne man neue Rekorde, sehe aber auch einen deutlichen Wandel, gerade in der Automobilindustrie, die sich auf neue Antriebsformen und den Leichtbau umstellen müsse. „Unsere Firmen haben aber bereits gezeigt, dass sie an den Autos von morgen beteiligt sein werden.“ Sein Kollege Dietmar Heß teilte diesen positiven Blick zurück, wenngleich Finnentrop kein so historischer industrieller Standort sei und deshalb nicht so viele große (Familie-)Unternehmen vorweisen könne. Zudem hätte die Gemeinde im Laufe der Jahre starke Gewerbesteuerzahler an große Konzerne verloren. „Wir sind dennoch zufrieden“, so Heß, der Firmen wie Metten oder Fischer und Kaufmann als Beispiele nannte. Zudem sei das Industriegebiet Wiethfeld eine Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre, derzeit liefen Verhandlungen mit der Bezirksregierung über eine Erweiterung. „Wir kommen langsam an die letzten Quadratmeter.“ Zwar gebe es viele freie Flächen in den Tälern, diese dürfe man aber nicht bebauen, denkbar wären Areale in Frielentrop oder Rönkhausen. „Wir müssen hier sicherlich auch interkommunal denken“, betonte Dietmar Heß. Christian Pospischil pflichtete ihm bei, auch er berichtete von knapper werdenden Gewerbeflächen. „Wir sind mit den Flächen in der Stadt am Ende.“ Derzeit könnten keine neuen Unternehmen mehr auf städtischem Gebiet angesiedelt werden, ein „unhaltbarer Zustand“. An der Nachfrage scheitere es nicht, die sei durchaus vorhanden. Er brachte die IHK-Studie zur Sprache, die einen zusätzlichen Bedarf in Attendorn bis 2040 von 80 Hektar ausweise. Zwar werde man in naher Zukunft im Industriegebiet Fernholte weiterbauen können, dort stünden aber nur 30 Hektar zur Verfügung. Man müsse kreativ werden und etwa bestehende Industrieflächen ausbauen, indem die Parkplatzflächen genutzt und dafür zentrale Parkhäuser gebaut würden.

DSC 9648 minZu dieser Idee passte auch die Diskussion um den öffentlichen Personennahverkehr. Dietmar Heß skizzierte das Phänomen, dass morgens viele Autos mit wenig Insassen in die Industriegebiete reinfahren und dafür eben große Flächen benötigt würden. Fahrgemeinschaften könnten sinnvolle Alternativen sein, der Verkehr könne anders organisiert werden. Bei der Anbindung der Industriegebiete an den ÖPNV gebe es immer wieder das Problem der fehlenden effektiven Nachfrage der Arbeitnehmer. „Hier ist es sinnvoll, dass die Betriebe mal Anfragen sammeln, um Interesse zu signalisieren.“ Auch wenn das Auto im ländlichen Raum sicherlich ein wichtiges Fortbewegungsmittel bleiben würde, seien Instrumente wie ein Citybus oder Carsharing denkbar und sinnvoll. Christian Pospischil machte an dieser Stelle Werbung für das betriebliche Mobilitätsmanagement der LEADER-Region. Es gebe Pläne für ein Pilotprojekt mit drei Firmen aus dem Attendorner Raum, das die vielen Alleinfahrten zur Arbeit reduzieren soll. „Ob Fahrrad, ÖPNV oder Fahrgemeinschaft – wir wollen individuelle Lösungen mit den Unternehmen erarbeiten.“  

Ein weiteres Thema war der Ausbau der Infrastruktur, der wegen dem Standortnachteil der fehlenden Nähe zur Autobahn wichtig sei „Wir müssen die Landstraßen weiter ausbauen, damit Frachtgüter transportiert werden können“, so Christian Pospischil. Dem pflichtete Dieter Heß bei. „Bei uns kommen noch ein paar Kilometer drauf bis zur Autobahn.“ Man erkenne den negativen Einfluss deutlich am veränderten Verhältnis zwischen der Gemeinde Wenden und Finnentrop, die Jahre lang auf Augenhöhe gewesen wären. „Aber die Nähe zum Autobahnkreuz können wir nicht kompensieren.“ Hinsichtlich der Bahnanbindung sei man mit dem Anbieter Abellio zwar zufrieden, aber eine schnellere Anbindung nach Norden und Süden sei definitiv wünschenswert. Bis der erste ICE durch Finnentrop fährt, werde es aber wohl noch dauern.

Da eine Autobahnanbindung der Region Attendorn/Finnentrop kein Thema mehr sei, waren sich beide Bürgermeister einig, dass das Augenmerk auf die Ertüchtigung und Pflege der Bundes- und Landstraßen gelegt werden müsse. Auf die Situation in Heggen angesprochen, wo es regelmäßig zu Rangiermanövern kommt, wenn zwei Lkw auf einmal durch die Ortsmitte fahren wollen, wies Heß daraufhin, dass es sich hierbei um eine Landesstraße handele, deren originärer Nutzen auch der Schwerlastverkehr sei, weswegen eine Sperrung der Straße für Lkw nicht in Frage käme. „Verkehrsleitende Maßnahmen müssen hier ergriffen werden, etwa eine entsprechende Beschilderung oder auch die Umprogrammierung der Navigationsgeräte, die Lkw-Fahrern eine bessere Strecke vorschlagen könnten.“  In puncto Ausbau der L 512 skizzierte Christian Pospischil, dass diese in den 1960er-Jahren und damit für eine ganz andere Verkehrsbelastung als heute gebaut worden sei. Hier seien Optimierungen, etwa eine Überholspur zwischen Kraghammer Sattel und Schnütgenhof, ein Turbokreisel an der Kreuzung Neu-Listernohl oder eine vierte Spur nach Attendorn rein, sicherlich sinnvolle Möglichkeiten. Man sei aber an die vorhandenen Einschränkungen gebunden, so könnten etwa die Brücken aus technischen Gründen nicht weiter ausgebaut werden. Und, mahnte Dietmar Heß, man müsse hier aufpassen, die Landschaft nicht zu sehr mit Infrastruktur vollzupacken. „Gerade die schöne Strecke an der Bigge entlang ist ungemein wichtig aus touristischer Sicht.“ Einig waren sich beide darüber, dass der Ausbau des Radwegenetzes auf einem guten Weg sei.

Der Breitbandausbau sei nicht nur aus Sicht der Industrie ein wesentlicher Faktor. „Wir sind auf den Breitbandausbau angewiesen, im ländlichen Raum mehr als sonst wo.“ So sei man bei dem Ziel, alle Betriebe an das Glasfasernetz anzuschließen auf einem guten Weg, bei dem, alle Häuser im Kreis zu versorgen, gebe es aber immer noch deutliche weiße Flecken auf der Landkarte – und das nicht nur, was die Versorgung mit schnellem Internet betrifft, auch der Mobilfunkausbau dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Auch die 5G-Technologie sei wichtig für die gewerbliche und industrielle Entwicklung, da diese Breitbandlücken schließen könnte. André Arenz ergänzte an dieser Stelle, dass die Versorgung mit schnellem Internet auch wegen der Möglichkeit des Home-Office wichtig sei für die Zukunft und die Attraktivität der Region.

DSC 9658 minDie Gesundheitsversorgung bzw. der Ärztemangel, der aus dem Plenum angesprochen wurde, seien weitere wichtige Themen der Zukunft, obwohl beide Bürgermeister derzeit noch recht zufrieden sind, so gibt es für einige Praxen bereits Nachwuchs.  „Wir brauchen ein attraktives Umfeld für junge Mediziner“, so Dietmar Heß. Die Kommune könne an dieser Stelle, so Pospischil, beispielsweise mit der Bereitstellung von geeigneten, zukunftsfähigen Räumlichkeiten helfen. Auf das Krankenhaus habe die Stadt nur noch wenig Einfluss, wolle aber unterstützen, wann immer sie könne. „Es besteht durchaus Grund zum Optimismus“, fasste Pospischil zusammen. Das Thema bezahlbarer Wohnraum bereitet auch den beiden Bürgermeistern Kopfzerbrechen. In der Innenstadt von Attendorn gebe es den sicherlich nicht, räumte Pospischil ein. Neue Wohngebiete mit verschiedenen Wohnformen wie Reihenhäusern, Appartements für Alleinlebende oder Mehrfamilienhäuser seien hier notwendig und sinnvoll. Neue Wohngebiete zu verwirklichen sei dabei gar nicht so einfach, wie Dietmar Heß ergänzte. So müssten alte Pläne zunächst abgearbeitet werden, bevor neues Land erschlossen werden könne.

Das letzte große Thema des Abends war die Energieversorgung bzw. Windkraft. Dietmar Heß betonte, dass man derzeit auch nur auf die neue Gesetzgebung warten könne. Er sei der Meinung, dass die große Politik die kleinen Kommunen allein gelassen hätte. „Wir sitzen zwischen den Stühlen. Wir sind verpflichtet, dort, wo Wind weht der Windkraft Raum zu geben und Verzugsgebiete auszuweisen.“ Auf der anderen Seite stünden die Bedenken und Abwehr der Bürger. Christian Pospischil schlug in dieselbe Kerbe: „Wir kriegen den schwarzen Peter zugeschoben.“ Es sei ihm sehr wichtig, einer Verspargelung der Landschaft entgegenzuwirken und Gebiete auszuwählen, auf der die Anlagen am wenigsten stören. Der Plan, gemeinsam mit der Volksbank Bigge-Lenne und dem Energieversorger Bigge-Energie einen Windpark für Attendorner Bürger aufzubauen, sei aufgrund der unklaren Rechtslage derzeit auf Eis gelegt. „Wir wollen erst verbindliche Regelungen abwarten.“ Auch dürfe man andere Stromerzeugungsmöglichkeiten wie Wasserkraft oder Fotovoltaik nicht aus den Augen verlieren. Für Dietmar Heß steht fest: „Irgendwoher muss der Strom herkommen und die Windkraft wird einen erheblichen Teil dazu beitragen müssen. Diese immer nur zu boykottieren kann nicht die Lösung sein.“

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